Eine neue Ära des Simracing

In vielen Renndisziplinen gilt Simracing als netter Zeitvertreib. Die GT World Challange Europe machen den E-Sport zur Pflichtveranstaltung. Alle Teams fahren in den Rennsimulationen um echte Meisterschaftspunkte. Eine neue Ära des Simracings ist eingeläutet.

Als die Covid19-Epedemie sich Anfang 2020 zur globalen Pandemie ausbreitete, traf dies besonders die Massenveranstaltungen. Kurzerhand wurden die allermeisten Rennspektakel abgesagt, Rennstrecken stellten den Betrieb ein und die Boliden blieben in ihren Garagen. In der Formel 1 füllten einige Rennfahrer ihre Zeit mit E-Sport. So traten zeitweise Formel 1 – Stars wie Charles Leclerc, Lando Norris oder George Russell in virtuellen GPs gegen die Simracing-Community an.

Dieser interdisziplinare Sport-Crossover erlange große Aufmerksamkeit. Sowohl bei regulären Formel 1 – Fans, als auch seitens des Simracings. Für eine Weile konnte der E-Sport sogar im linearen Fernsehen verfolgt werden. Die Aufmerksamkeit endet jedoch abrupt mit der Wiederaufnahme des regulären Rennbetriebs. Die Formel 1 und ihr E-Sport-Ableger veranstalteten ihre Wettbewerbe wieder getrennt voneinander.

GT3 wagt die Fusion mit dem E-Sport

Ein Jahr später, für die Saison 2021, sind die Strecken wieder eröffnet. Zwar teilweise noch mit reduziertem Publikum, kann der reguläre Rennbetrieb wieder stattfinden. Für viele Veranstalter also kein Grund mehr weiter im E-Sport zu verweilen. Für die GT World Challange Europe gilt das nicht. Die GT3-Rennserie nimmt das vergangene Jahr als Anlass für eine Reform und fusioniert mit Fanatec Esports GT Pro Series. Seit April fahren die Teams der GT World Challange Europe nicht nur in ihren Boliden um die Meisterschaft, sonder müssen sich auch in ihrem virtuellen Pendant beweisen.

Konkret bedeutet dieser Zusammenschluss eine Modifizierung beider Renndisziplinen. Neben dem normal Rennbetrieb der GT3-Serie, wird der Wettbewerb um ein 60-Minuten-Rennen in Assetto Corsa Competizione erweitert. Jedes GT3-Team stellt dabei einen Fahrer für je den Pro Cup und Silver Cup zur Verfügung. Dabei steuern die Piloten die gleichen Boliden aus den gleichen Rennställen – genau wie in der realen Rennserie.

Das virtuelle Rennen ist in den realen Rennbetrieb eingebettet. Dank der genauen Streckendaten und Fahrzeugsimulationen von Assetto Corsa Competizione haben die Piloten sogar die Möglichkeit, ihre Echtzeit-Ergebnisse und Fahrzeugdaten mit in die Simulation zu übernehmen. Ein Team, welches also bereits auf der Strecke seinen Boliden optimieren konnte, hat im virtuellen Rennen also einen entscheidenden Vorteil gewonnen.

Die Podiumsplazierten der beiden Rennklassen – Pro und Silver – erhalten für ihre Leistungen entweder einen, zwei oder drei Punkte. Diese Punkte werden der realen Teamwertung hinzugerechnet.

Das Versprechen

Diese Fusion ist ein Novum in der Rennsportgeschichte. Eine Sensation, die erst dank modernster Technik möglich wurde. Das Versprechen dieser Zusammenarbeit ist klar, wenn auch wage. Beide Disziplinen versprechen sich zunächst einmal bessere Öffentlichkeitswahrnehmung. Die reale GT3-Serie fand auf Grund der vergangenen Pandemie beispielsweise nur sehr eingeschränkt statt, welches hat schwere, finanzielle Einbußen zur Folge hatte. Das nötige Sponsoring kommt für die GT World Challange Europe aber nicht nur aus dem Simracing. Viel mehr möchte sich der Sport verjüngen, neues Publikum anziehen und sich attraktiver für junge Fans präsentieren.

Auch beim Fanatec Esports GT Pro Series erhofft man sich durch den Reboot des realen Pendants ein größeres Publikum. Die Rechnung scheint zumindest bis jetzt aufgegangen zu sein. Der E-Sport ist endlich auf Augenhöhe mit dem traditionellem Rennsport angekommen und konnte die Zielgruppen beider Sportdisziplinen erfolgreich auf einen, gemeinsamen Nenner einschwören.

Inwiefern diese Fusion auch eine finanzielle Bereicherung darstellt, wird man erst Ende der noch laufenden Saison sagen können. Vorab ist aber klar, dieser Schritt läutet eine neue Ära des Simracings ein.

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