Pokémon Unite – Kommt hier der neue MOBA-Star?

Nintendos erstes MOBA-Game ist released. Pokémon Unite weckte schon bei der Ankündigung sowohl bei MOBA-Spieler:innen, als auch bei Poké-Fans große Erwartungen.

Tsunekazu Ishihara, CEO der The Pokémon Company, hält sich aber bedeckt. Das neue Spiel soll ein Arenatitel für alle werden, verschenkt aber schon zu Beginn großes E-Sport-Potential.

Am 21. Juli startete das sehnlichst erwartete Pokémon auf der Nintendo Switch. Ein Massiv Online Battle Arena (kurz MOBA) Spiel soll es sein, dass nicht nur Kinder und Erwachsene, sondern auch Einsteiger und Profis gleichermaßen begeistern soll.

Nintendo erfindet dabei das Rad nicht neu. Sowohl das Kartenlayout, als auch das Gameplay orientieren sich an eSport-Größen wie League of Legends und Dota 2. Zwei Teams (je 5- Spieler) treten gegeneinander an. Die zwei gegenüberliegenden Spawn-Punkte sind mit jeweils einer Top-, Middle- und Bottom-Lane verbunden, die das Spielfeld in drei Hauptrouten unterteilen. Tower gibt es auch, wenngleich es eher Felder sind die das eigene Team durch Heilung passiv unterstützt, anstatt den Gegner zu attackiert. Fünf unterschiedliche Klassen, geben Raum für strategieorientierte Teambalance. Oberflächlich betrachtet haben wir es also mit einem LoL- und Dota 2 – Klon zu tun, der sich durch nur bunte 3D-Grafik und minimalistischen Interface hervortut.

Der eigentliche Unterschied wird beim Spielen aber schnell deutlich: Die Zielgruppe sind vor allem neue Spieler: innen. Von Beginn an wird die Komplexität auf ein Minimum zurückgeschraubt. Jedes Match dauern nur 10 Minuten, alle Spieler: innen starten mit minimalen Fähigkeiten auf Level 1 und Minions gibt es überhaupt nicht. Selbst PVP ist nicht zwingend notwendig. Um zu punkten, müssen die Spieler: innen die NPC-Pokémon auf dem Spielfeld besiegen. Nur dadurch lassen sich zwei entscheidende Ressourcen freischalten: Erfahrungspunkte, um mit Levelaufstiege bessere Pokémon-Entwicklungen und Fähigkeiten (automatisch) freizuschalten, sowie die dringend benötigten Pokébälle. Ähnlich wie beim Basketball werden diese auf die gegnerischen Heil-Felder „gedunkt“, was diese ab einer gewissen Anzahl „gedunkter“ Bälle zerstört. Mit wenigen Ausnahmen, ist das die einzige Möglichkeit überhaupt Punkte für das eigene Team zu sammeln.

Der Schwierigkeitsgrad steigt mit dem Levelaufstieg, womit besonders das Teamplay und dynamische Strategien relevant werden. Dabei schafft Pokémon Unite das Kunststück, jede Veränderung des Gameplays in Echtzeit eingängig zu erklären und zeitgleich repetitive Aufgaben, wie das Grinden von NPC, immer neu zu repräsentieren. Wer allerdings aus dem Profi-Bereich kommt und auf komplizierte Taktiken wie in LoL und Dota 2 hofft, wird hier vermutlich einen sanften Dämpfer erhalten. Trotz des ansteigenden Schwierigkeitsgrad fehlt es an vergleichbarer Komplexität. Da alle Spieler in jeder Runde mit dem gleichen Level anfangen, bleiben auch die Attack Combos auf ein Minimum begrenzt.

Das größte Problem für ein ausgewogenes MOBA-Turnier stellt das eigentlich gut gemeinte Belohnungssystem dar. Mit jedem Spiel levelt man auch seinen Trainer auf, der wiederum Zugang zu diversen Belohnung erhält. Diese reichen von visuellen Veränderungen bis hin zu Items und Buffs, die das eigene Pokémon im Spiel teils signifikant unterstützen können.

Leider werden diese Objekte mit einem komplizierten Währungssystem gekauft. Ganze fünf In-Game-Währungen machen das Belohnungssystem nicht nur unnötig kompliziert, sondern auch intransparent. Dabei steigt Nintendo in die leidliche Debatte der Micro-Transaktionen und Lootboxen ein. Während (theoretisch gesehen) die meisten Belohnungen erspielt werden können, ist die dafür aufzubringende Spielzeit oftmals lächerlich hoch. Nicht umsonst bezeichnet The Pokémon Company das Spiel bewusst als „Free-To-Start“. Besagte Verbesserungen können durch auch mit Echtgeld gekauft werden. Da jedes Pokémon auf Level 1 startet, macht es also einen gewaltigen Unterschied, welche aktiven und passiven Boosts gerade ausgerüstet wurden. Der Verdacht von „Pay-To-Win“ liegt nahe.

Pokémon Unite der erste, vorsichtige Schritt Nintendos in das MOBA-Genre. Den Wunsch, alle Spieler: innen zu bedienen, zahlt es mit dem Preis mangelnder Komplexität. Die Nähe zum E-Sport wird besonders durch die Verwendung von lottoähnlichen Lootboxen und spielbeeinflussenden Echtgame-Käufen torpediert. Inwiefern sich der Titel damit für den E-Sport disqualifiziert hat, bleibt abzuwarten.

Das Spiel befindet sich zur Zeit noch in der Veröffentlichtungsphase. Diesen Monat ist das Spiel erstmals für die Nintendo Switch herausgekommen. Im September soll der Release für Android- und iOS-Geräte folgen. Auch Erweiterungsupdates mit neuen Pokémon sind angekündigt worden. Inwiefern aber Updates und Crossplattforming die Mängel beheben sollen, lässt sich zum momentanen Zeitpunkt nicht abschätzen.

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