Alles über die FIFA-Reihe von EA Sports

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Was ist FIFA?

Bei der FIFA-Reihe handelt es sich um eine Reihe von Fußballsimulationen, deren Ableger bereits seit 1996 jährlich erscheinen und die von EA Sports (gehört zu Electronic Arts, kurz EA) entwickelt wird. Bereits seit dem Jahre 1999 ist es zudem auch möglich, Online-Spiele gegen menschliche Kontrahenten aus aller Welt, über das Internet, auszutragen. Während die Spieler hierfür zu Beginn in direktem Kontakt miteinander stehen und eine IP-Adresse austauschen mussten, um gegeneinander spielen zu können, ist dies heute deutlich einfacher. Denn heute findet man nahezu zu jeder Uhrzeit einen Gegner für einige Partien in der Fußballsimulation von EA Sports.

Diese hat sich über die Jahre zudem auch in anderer Hinsicht ziemlich gewandelt, traten die Spieler auf dem virtuellen Rasen früher noch mit den bekanntesten Vereins- und Nationalmannschaften gegeneinander an, so hat sich das Geschehen mit der Zeit immer weiter in Richtung des Ultimate-Team Spielmodus verlagert, einem Modus dem wir uns im weiteren Verlauf dieses Textes noch ausführlicher widmen werden.

Doch im ersten Schritt möchten wir uns einmal den Anfängen des FIFA-eSports widmen und verraten wie das kompetitive Fifa-Gaming seinen Anfang genommen hat.

Die Geschichte der FIFA-Reihe und des FIFA eSports

Da es sich bei den Spielen aus der FIFA-Reihe um eine Fußballsimulation handelt, sind die Spiele seit jeher bestens dazu geeignet um kompetitiv gegeneinander gespielt werden zu können. So konnte man mit FIFA International Soccer, welches im Jahre 1993 zunächst exklusiv für Segas Mega Drive veröffentlicht wurde, erstmals seine Freunde auf dem Virtuellen Rasen, an der Sega-Konsole, herausfordern. Es folgten jedoch nur kurze Zeit später auch Umsetzungen des Titels für den PC, das Super Nintendo Entertainment System (kurz SNES) sowie für etliche weitere Systeme.

Im Jahr darauf erschien mit FIFA Soccer 95, welches exklusiv auf dem Mega Drive von Sega veröffentlicht wurde, der erste Titel der Reihe der eine Jahreszahl im Titel trägt. Dessen Nachfolger FIFA Soccer 96 erschien 1995 dann auch erstmals für den PC und feierte zudem auch sein Debut auf der PlayStation Konsole von Sony. Daneben wurde der Titel auch wieder auf dem SNES von Nintendo sowie auch auf weiteren Konsolen veröffentlicht.

Den jährlichen Erscheinungsrhytmus der Spielereihe behielt EA Sports dann auch in der Folge bei und veröffentlichte 1996 mit FIFA 97 den bislang vierten Teil der Reihe. 1997 veröffentlichte man sogar zwei Spiele aus der Reihe von denen FIFA 64, welches exklusiv für die Nintendo 64-Konsole veröffentlicht wurde, allerdings zu einem Flop wurde.

Dafür konnte FIFA 98: Road to World Cup, der neueste Teil der Hauptreihe, einen Großteil der Spieler überzeugen und bot den Spielern, zumindest auf dem PC, zudem auch erstmals die Möglichkeit Online zu spielen. Dies war zu dieser Zeit mithilfe eines Modems möglich, ein Matchmaking wie in der heutigen Zeit gab es damals allerdings noch nicht. Ein weiteres Highlight von FIFA 98 stellte zudem der Hallenmodus dar, der jedoch in FIFA 98 letztmals in einem Spiel der Reihe vertreten war.

Im Jahr darauf erschienen dann erneut zwei Spiele aus der Reihe, von denen es sich bei FIFA WM Frankreich ’98 um einen eigenständigen Ableger zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich handelte. In diesem Titel konnte man mit der Nationalmannschaft seiner Wahl das komplette WM-Turnier nachspielen und sogar gemeinsam mit Freunden eine Weltmeisterschaft bestreiten. All das konnte man in FIFA 99 dann zwar nicht, dafür waren hier neben den wichtigsten Nationalmannschaften auch wieder die Vereinsmannschaften aus vielen Ligen mit an Bord.

Ändern sollte sich an diesem Erfolgsrezept der Fifa-Reihe auch in den kommenden Jahren nicht mehr allzu viel, doch mit dem Erscheinen von FIFA 2000 kam die Reihe erstmals auch Online ins Rollen. So wurden zu dieser Zeit die ersten Ligen, wie die Fifa Modem Liga (kurz FML) gegründet, in der sich die Spieler untereinander messen konnten.

Dieser Entwicklung kam es dabei auch zugute, dass sich DSL Internetzugänge zu dieser Zeit immer weiter verbreiteten und die Spieler sich somit nicht mehr für Minutenpreise ins Internet einwählen mussten, sondern auf die ersten Internet-Flatrates zurückgreifen konnten. Denn hiermit konnte man, im Gegensatz zu einem Modem, deutlich günstiger ins Internet.

Die ersten großen Fifa-Turniere

Das erste große FIFA-Event waren im Jahre 2000 dann die World Cyber Games (kurz WCG), die in Südkorea stattfanden. Dieses Event galt bis ins Jahre 2013 als die Olympiade des eSport und hatte für die Spieler der FIFA-Reihe den Stellenwert einer Weltmeisterschaft. Hier wurde Fifa, bis zu der letzten Auflage der WCG im Jahre 2013, im Gegensatz zu den heutigen Turnieren, stets auf dem PC ausgerichtet. Bei der ersten Auflage belegten am Ende drei Lokalmatadoren aus Südkorea die ersten Plätze und Lee Ji-hun krönte sich zum ersten Sieger der World Cyber Games in FIFA 2000.

Dieser wurde im Jahr darauf von seinem Landsmann Kim Doo-hyung beerbt, der die 2001er Auflage der World Cyber Games für sich entscheiden konnte, doch bereits bei der zweiten Auflage dieses Events konnte mit dem Italiener Francesco di Dio ein Europäer den zweiten Platz belegen.

Dieses Resultat war auch ein Nachweis der sich immer weiter professionalisierenden FIFA-Szene in Europa, wo sich zu dieser Zeit eine ganze Reihe neuer Teams bildeten. Und nicht wenige davon hatten ihren Ursprung in Deutschland und hörten auf Namen wie“ eSports United“ (kurz eSu), „pro-Gaming“ (kurz pG) oder „a-Losers“ (kurz aL).

Dennoch standen auch im Jahre 2002 mit den Südkoreanern Hwang Sang-woo und Kim Doo-hyung erneut zwei Südkoreaner ganz oben bei den World Cyber Games in Daejeon. Doch mit Stefan Berndt schaffte es erstmals auch ein deutscher unter die ersten Drei und dieser konnte zudem im erstmals ausgerichteten 2on2-Wettbewerb den Ersten Platz belegen und sicherte Deutschland somit die erste Deutsche Goldmedaille bei den World Cyber Games bis dahin.

Die Fifa Twins Dennis und Daniel Schellhase

Zu dieser Zeit nahm besonders in Deutschland die nationale Fifa-Szene immer mehr an Fahrt auf und so entschied sich die Electronic Sports League (ESL) im Jahr 2003 dazu, Fifa2003 unter die Spiele aufzunehmen, die in der ESL Pro Series gespielt wurden. Dabei handelte es sich genau genommen um den Vorgänger der heutigen ESL Meisterschaft, wo Fifa zu Beginn lediglich im Team, mit 5 gegen 5, gespielt wurde. Dabei wurde zu Beginn einer Begegnung ausgelost, welche Spieler im direkten Duell aufeinandertreffen und zwei Partien gegeneinander bestreiten, in denen es darum ging, Punkte für das eigene Team zu holen.

Dabei machten bereits in der ersten Saison zwei Spieler auf sich aufmerksam, die für das Team der a-Losers (kurz aL) an den Start gingen. Die beiden Zwillingsbrüder Daniel und Dennis Schellhase, die sich in der Folge als die „Fifa-Twins“ einen Namen machen konnten und unter anderem in diversen Fernsehshows zu Gast waren.

Diese wechselten zur Mitte des Jahres 2003 zu der damals in Fifa führenden Organisation pro Gaming (kurz pG) und wurden zudem ein exklusiver Teil des Team Fujitsu Siemens Computers, bevor sie bei den World Cyber Games 2003 ihre erste Sternstunde erlebten. Denn dort konnte sich Dennis im Finale gegen seinen Bruder Daniel die Goldmedaille sichern und zudem gewannen die beiden auch die in diesem Jahr letztmals ausgetragene 2 gegen 2 Variante bei diesem Event.

Und bei den World Cyber Games 2005 in Singapur konnte sich Dennis Schellhase, der unter dem Nicknamen „styla“ antrat, seinen zweiten Titel sichern.

Davon angestachelt tat es ihm sein Bruder gleich und konnte 2006 und 2007 sogar gleich zweimal in Folge den ersten Platz bei den World Cyber Games für sich verbuchen.

Auch in Deutschland dominierten die beiden Fifa Twins, sowohl mit ihren Teams als auch in Einzelturnieren, die Konkurrenz nahezu nach belieben und konnten während ihrer Karriere, 9 deutsche Meisterschaften im Team ( 3 mit pro Gaming und 6 mit SK-Gaming), 4 Europameisterschaften im Team sowie zusammen insgesamt fünf deutsche Einzelmeisterschaften gewinnen. Im Gegensatz zu seinem Bruder gewann Dennis Schellhase zudem auch zweimal die Europameisterschaft im Einzel, dafür landete Daniel Schellhase 2009, bei seiner letzten Teilnahme an den World Cyber Games, hinter seinem deutschen Landsmann Joshua „Kr0ne“ Begehr, nochmals auf dem zweiten Platz bei dem damals wichtigsten internationalen Turnier im Fifa eSport.

Im Jahr 2010 beendeten die beiden Fifa Twins dann allerdings ihre 8 Jahre andauernde Fifa-Karriere, um sich zukünftig voll auf ihre berufliche Zukunft zu konzentrieren. Dennoch musste man sich hierzulande auch nach dem Karriereende dieser beiden Ausnahmespieler zunächst keinerlei Sorgen um den Nachwuchs machen und so konnte sich nach Joshua „Kr0ne“ Begehr im Jahr 2010 mit Kevin „Daimonde“ Santner abermals ein deutscher Fifa-Spieler den Titel bei den World Cyber Games sichern. Im Anschluss daran machte dann Kai „deto“ Wollins, mit seinem Doppelerfolg bei den Auflagen 2011 und 2012 überaus deutlich, wer zu dieser Zeit die erfolgreichste Fifa Nation war.

Daran konnte auch der für deutsche Verhältnisse fast schon enttäuschende zweite Platz von Tim „Schiewe“ Schiewe, bei der letzten Auflage der World Cyber Games 2013, nicht viel ändern.

Allerdings begann sich der eSport zu dieser Zeit, auch aufgrund der immer stärkeren Bestrebungen von EA und der Fifa in diesem Bereich, äußerst stark zu verändern. Und diese Veränderungen fanden nicht wie zuvor üblich auf dem PC statt, sondern immer mehr auf den Konsolen von Sony und Microsoft.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dennis_gewinnt_EPS_1on1.jpg

Der Fifa eSport im Wandel

Denn während die Fifa Twins im PC Bereich ihre größten Erfolge bei den World Cyber Games feiern konnten, rief die Fifa in Zusammenarbeit mit EA Sports im Jahre 2004 den Fifa Interactive World Cup ins Leben, für den sich die Spieler über die Konsolen von Sony und Microsoft seitdem jährlich qualifizieren können.

Auch die ESL reagierte mit der Zeit auf die Veränderungen im Bereich des Fifa eSports und stellte 2014 auch den Spielbetrieb der ESL Meisterschaft, die bereits in den Jahren zuvor lediglich im 1 gegen 1 ausgerichtet wurde, nun auf die PlayStation 4 von Sony um. Ende 2018 gab die ESL dann zudem bekannt, dass man zukünftig sogar vollständig auf die Ausrichtung einer Meisterschaft in Fifa verzichten werde, womit eine Ära zumindest vorübergehend, erst einmal ihr Ende gefunden hat.

Auf dem PC ist Fifa mit der Zeit dagegen zu weiten Teilen zu einer Randerscheinung verkommen, auch da man sich über diese Plattform gar nicht erst für die wichtigsten Turniere qualifizieren kann.

So stellen die wichtigsten Turniere für Fifa Spieler heute in der Regel die Ableger der nationalen Fußball-Ligen sowie der Fifa eWorld Cup, wie der FIWC seit 2018 heißt, dar. Dabei werden allerdings im Rahmen der Qualifikation zur offiziellen Weltmeisterschaft heute eine ganze Reihe von Offline-Turnieren ausgerichtet, bei denen sich die besten Spieler der Welt im direkten Vergleich gegenüber stehen.

Und diese stehen heute nicht selten sogar bei einem echten Fußballverein unter Vertrag, um diesen auf dem virtuellen Rasen zu repräsentieren.

Die ersten Fußballvereine steigen in den Fifa-eSport ein

Der Trend hin zu Fußballvereinen, die ihre eigenen Fifa-Spieler unter Vertrag nehmen, begann im Mai 2015, wie könnte es auch anders sein, ebenfalls in Deutschland. Damals nahm der VfL Wolfsburg als erster Verein hierzulande eigene Fifa Spieler unter Vertrag, einen Schritt den zuvor bislang noch kein anderer Verein gewagt hatte. Allerdings auch ein Modell, dem in der Folgenden Zeit noch etliche Klubs folgen sollten, von denen der FC Schalke 04, im Mai 2016,  zu den ersten gehörte.

Doch dieser Trend endete keineswegs hierzulande, sodass heute bereits ein Großteil der bekanntesten Fußballvereine eigene eSportler unter Vertrag hat, welche den Verein zumeist auf dem virtuellen Rasen vertreten.

Deutlich seltener kommt es dagegen vor, dass sich die Vereine neben Fifa auch in anderen eSports-Titeln engagieren, wie dies unter anderem der FC Schalke 04 in League of Legends tut und damit bislang zu den Ausnahmen gehört, nicht nur hierzulande.

Und noch etwas hat sich im Gegensatz zu früher verändert, nämlich der Spielmodus, in dem Fifa, seit dem Jahre 2017, bei den großen Turnieren gespielt wird. Denn während die Spieler früher noch mit ihren liebsten Vereins- oder Nationalmannschaften gegeneinander antraten, stellen sich diese im Fifa Ultimate Team Modus (kurz FUT) ihre Teams heute nach Lust und Laune zusammen. Dabei haben die Spieler Möglichkeit sämtliche in Fifa enthaltene Spieler-Karten zu nutzen, sowie zudem auch etliche Spezialkarten von diesen, welche im Laufe eines Fifa Jahres veröffentlicht werden.

Der Fifa eSport heute

Einer der Gründe, weshalb sich noch viele Sportvereine gegen ein Engagement außerhalb von Fußballsimulationen wie Fifa sträuben ist auch der, dass der Deutsche Fußball Bund sich bislang lediglich zu dem „eFootball“ bekennt und diesen sogar von anderen eSports-Titeln abzugrenzen versucht, was jedoch keineswegs der Realität entspricht. Denn sowohl bei Fifa als auch bei League of Legends sowie Counterstrike handelt es sich um eSport.

Dennoch hat der Fifa eSport, besonders was die öffentliche Aufmerksamkeit betrifft, in den vergangenen Jahren auch äußerst stark von dem Einstieg der Verbände und Vereine aus dem echten Fußballsport profitiert. So werden heute viele der bedeutendsten Fifa Turniere in voller Länge im Internet übertragen, selbstverständlich inklusive eines Kommentators, wie auch beim echten Fußball. Und einige dieser Turniere können sich die Zuschauer sogar im Fernsehen, auf Sport1, eSport1 oder Pro7 Maxx anschauen.  Dies wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.

Ebenso wie die erste Saison der Virtuellen Bundesliga Club Championship, die erst kürzlich, im März 2019, beendet wurde und in der 22 Vertreter der ersten beiden Bundesligen den deutschen Meister ermittelt haben. Hier konnte sich das Team des SV Werder Bremen, mit den Spielern Mohammed „MoAuba“ Harkous, Michael „Megabit“ Bittner und Eleftherios „Leftinho“ Ilias, schlussendlich die Meisterschaft sichern.

Was zudem auch dazu führte, dass Mohammed „MoAuba“ Harkous und Michael „Megabit“ Bittner in den Kader der deutschen eNationalmannschaft des DFB berufen wurden und im Rahmen des ersten FIFA eNations Cups, im April 2019, erstmals offiziell für Deutschland an der Konsole an den Start gingen.

Leider blieb der Erfolg dem deutschen Team bei diesem Turnier jedoch verwehrt und man musste bereits nach der Vorrunde die Koffer packen, während sich Frankreich zum Sieger des ersten FIFA eNations Cups kürte.

Dafür krönte dann Mohammed “MoAuba” Harkous am 04.08.2019  die FIFA-Saison 2019 aus deutscher Sicht und schrieb mit seinem Erfolg beim Finale des Fifa eWorld Cup (kurz FeWC) zudem Geschichte. Denn dort setzte sich “MoAuba” gegen eine Reihe der stärksten Fifa-Spieler auf der Welt durch und gewann als erster deutscher Spieler die offizielle Weltmeisterschaft in Fifa, die von dem Weltfussballverband in Zusammenarbeit mit EA Sports in jedem Jahr ausgerichtet wird.