Sportvereine im eSport

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Zu Beginn waren es die eSport-Organisationen, im Fachjargon „Clans“ genannt, in denen sich eSport-Begeisterte aus den verschiedensten Titeln zusammenschlossen, um gemeinsam ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Doch von den ersten Clans, die gegen Ende der 1990er Jahre gegründet wurden, besteht lediglich noch eine Hand voll und selbst diese kooperieren mittlerweile vereinzelt mit klassischen Sportvereinen. So wie der ehemalige Clan „Schroet Kommando“ der bereits 1997 gegründet wurde und  noch heute in Form der SK Gaming GmbH & Co. KG existiert. Denn im Bereich der Fußball-Simulation FIFA von EA Sports arbeitet SK Gaming seit dem Jahr 2018 mit dem deutschen Bundesligisten 1. FC Köln zusammen, den die Fifa-Spieler von SK auch im Rahmen der 2019 erstmals ausgespielten Virtuellen Bundesliga Club Championship vertraten, an der 22 der 36 Vereine aus den ersten beiden Bundesligen hierzulande mit ihren Fifa-Spielern vertreten waren. Damit geht SK-Gaming einen ähnlichen Weg wie die bekannte britische eSport-Organisation FNATIC, die bereits seit dem Jahr 2017 mit dem italienischen Spitzenverein AS Rom kooperiert. Doch bevor wir uns dem aktuellen Einfluss der Sportvereine im eSport zuwenden,  schauen wir zunächst einmal zurück auf eine Zeit, in der die Sportvereine den eSport zumeist nur aus der Ferne betrachteten.

Die Vorreiter in Deutschland

Wenn man über Sportvereine spricht die in Deutschland im eSport aktiv sind, dann darf man auf gar keinen Fall die beiden Vorreiter unterschlagen, die zwischen 2015 und 2016 den ersten Schritt machen und sich zur Gründung einer eigenen eSports-Abteilung entschieden.

Dabei war der VfL Wolfsburg am schnellsten und  verpflichtete bereits im Mai 2015 den ersten Fifa-Profi an der Konsole dem im Mai 2016 der FC Schalke 04 folgen sollte. Die Schalker sind dabei seit ihrem Einstieg in den eSport, im Gegensatz zu den Wolfsburgern, neben Fifa auch mit einem Team in dem MOBA-Game League of Legends aktiv und damit bis heute so etwas wie ein Exot unter den Sportvereinen hierzulande.

Denn die Zahl dieser Vereine hat besonders seit dem Jahr 2017 kontinuierlich zugenommen, was auch der Tatsache geschuldet war, dass der Weltfußballverband FIFA in Zusammenarbeit mit EA Sports in diesem Jahr den Fifa eClub World Cup (kurz FeCWC) ins Leben rief. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb bei dem die beteiligten Fifa-Spieler, die allesamt bei einem Verein oder einer eSports Organisation unter Vertrag stehen müssen, schlussendlich den virtuellen Club Weltmeister krönen. Während sich bei den ersten beiden Auflagen dieses Formates mit dem schwedischen Verein Bröndby IF zweimal in Folge derselbe Verein die begehrte Trophäe sichern konnte, gelang dies 2019 mit KING eSports erstmals einer klassischen eSports Organisation, was bei einigen Vereinen allerdings auf Unverständnis stieß.

Nur wenig besser wurde es dann bei der 2019 erstmals ausgespielten eChampions League, dieses Turnier fand im Vorfeld des Champions League Finals zwischen dem FC Liverpool und den Tottenham Hotspur statt und im Gegensatz zu dem FeCWC nahmen hier wirklich nur Spieler teil, die auch wirklich bei einem Fußballverein unter Vertrag stehen. Das sich allerdings schlussendlich ein Spieler des New York City FC zum virtuellen Champions League Sieger krönte, dürfte aufseiten der Fans einmal mehr für Verwunderung gesorgt haben.

Da machen es die Ausrichter der nationalen Fifa-Wettbewerbe, die bereits in einigen europäischen Ländern ausgetragen werden, oftmals schon um einiges besser.

Weitere Sportarten und eSport-Disziplinen in Vereinen

Wie bereits zu Beginn kurz erwähnt, handelt es sich bei dem FC Schalke 04, der neben einigen Fifa-Profis auch in Pro Evolution und sogar in League of Legends auf höchstem Niveau vertreten ist, um so etwas wie einen Exoten hierzulande. Denn ansonsten bleiben die bekannten Vereine bislang zu großen Teilen ihrer jeweiligen Kerndisziplin treu, was jedoch nicht zwangsläufig Fifa heißen muss. So besitzt der FC Bayern München beispielsweise bislang noch keine Fifa-Abteilung und gehörte, wie auch Borussia Dortmund, nicht zu den 22 Mannschaften, welche in der ersten Saison der VBL Club Championship am Start waren, geht dafür allerdings auf dem virtuellen Basketballkorb auf die Jagd nach Punkten.

Und dort gelten die „Bayern Ballers“ hierzulande, wo bislang jedoch bedauerlicherweise noch keine nationale NBA2K-Liga existiert, als das Maß der Dinge. Dagegen ist man in den Vereinigten Staaten bereits einen großen Schritt weiter, denn dort läuft aktuell die zweite Saison der NBA2K League, an der 21 NBA Teams mit einem eigenen Team, welches hier aus 5 Spielern besteht, vertreten sind. Und mit dem Team der Charlotte Hornets steht ein weiterer Zugang für das Jahr 2020 zudem bereits fest. Doch zuvor geht es in der laufenden Saison erst einmal darum herauszufinden, welches Team zum Nachfolger der New York Knicks wird, die in der ersten ausgespielten Saison die Meisterschaft für sich entscheiden konnten. Dies könnte allerdings auch den Reisestrapazen der anderen Teams geschuldet sein, welche jedes Wochenende nach New York fliegen müssen, um dort die Spiele des jeweiligen Spieltags zu bestreiten. Denn in New York befindet sich das Hauptquartier der Liga, aus dem die Begegnungen per Livestream ins Internet übertragen und aufgezeichnet werden.

Um derartige Probleme, wie unausgewogene Reisestrapazen, auf Dauer zu verhindern, schickt sich mit der Overwatch League (kurz OWL) gerade eine Liga, in der ein eher klassischer eSport-Titel gespielt wird, an, für gerechtere Verhältnisse zu sorgen. Doch bei der OWL, einer Liga die von Blizzard Entertainment, dem Entwicklerstudio hinter World of Warcraft und Starcraft, ausgerichtet wird, ist ohnehin alles ein wenig größer. So handelt es sich bei den Franchises der OWL, die in 2 Divisionen aufgeteilt sind, großteils um die Teams bekannte eSport-Organisationen, wie Cloud9, OpTic Gaming oder Team Envy, welche unter andrem Namen an der OWL teilnehmen. Dabei verpflichten sich diese, neben der Entrichtung einer Teilnahmegebühr von 20 Millionen US-Dollar, auch dazu ihren Spielern ein minimales Grundgehalt in Höhe von 50 000 Dollar im Jahr zu zahlen. Und zudem gehört auch die Schaffung einer eigenen eSport Arena zu den Voraussetzungen, um sich für einen Platz in der OWL bewerben zu können.  So möchte Blizzard in Zukunft Heim- und Auswärtsspiele in der OWL ermöglichen und so für mehr Chancengleichheit unter den beteiligten Teams sorgen. Ein Modell, über welches vielleicht auch die Ausrichter der NBA2K-League in Zukunft einmal nachdenken könnten.

Doch die Sportvereine hat, von einigen Ausnahmen, wie dem FC Schalke 04 in League of Legends oder dem FC Kopenhagen und dem FC Santos, die in dem Taktik-Shooter Counter-Strike aktiv sind, einmal abgesehen, der Hype um die klassischen Disziplinen bislang noch nicht erreicht. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass sich mit Paris St. Germain im Jahr 2017 ein äußerst namhafter Verein sein Engagement in League of Legends wieder beendete. Doch dafür ist der französische Spitzenverein, neben FIFA, zudem auch in Rocket League und dem MOBA-Game DotA 2 erfolgreich aktiv, wo man bei der achten Auflage des „The International“ im Jahr 2018 den zweiten Platz belegen konnte.

Fazit

Geht es nach dem Deutschen Fußball Bund, dann ist zumindest der eFootball auf dem Weg zu einer anerkannten Sportart und darin mag auch ein Stückchen Wahrheit liegen, denn schaut man sich einmal an wie viele Vereine in Deutschland, Europa und selbst in Nordamerika bereits eigene Fifa-Profis unter Vertrag haben, dann stellt man fest, dass darunter lediglich einige wenige bekannte Namen fehlen.

So zum Beispiel auch der FC Bayern München oder Borussia Dortmund, die sich beide bislang noch nicht zu einem Engagement in der Sportsimulation durchringen konnten. Und das, obwohl der FC Bayern mit seinen „Bayern Ballers“ bereits über ein virtuelles Basketball-Team verfügt, wenngleich in Deutschland bislang noch nicht einmal einen geregelter Ligabetrieb existiert oder eine nationale Meisterschaft für NBA2K-Teams ausgespielt wird. Doch immerhin sind auch in dieser Disziplin bereits einige Mannschaften auch im eSport aktiv, was man sich auch in League of Legends erwartet hätte.

Allerdings lässt das Interesse von Sportvereinen an klassischen eSport-Titeln, wie MOBA- oder Shooter-Games, bislang noch eher zu wünschen übrig und so ist der FC Schalke sogar der einzige europäische Verein überhaupt, welcher in der höchsten europäischen League of Legends Liga an den Start geht. Ähnlich sieht es auch in dem MOBA-Game DotA 2 aus, wo mit Paris St. Germain ebenfalls nur ein großer Verein aktiv ist. Und bei dem Taktik-Shooter Counter Strike scheint es fast so, dass sich ausschließlich Vereine aus Skandinavien oder Südamerika, wo das Spiel überaus beliebt ist, dazu trauen, eine eigene Abteilung ins Leben zu rufen. In Deutschland hat dies zumindest bislang noch kein Verein gewagt.

Doch die Welt dreht sich immer weiter und so dürften kooperationen, wie die Zwischen SK Gaming und dem 1. FC Köln, in Zukunft mit der Zeit mit Sicherheit ein großes Stück weit dazu beitragen, um das Verständnis für den eSport innerhalb der Vereine, vor allem auch im Hinblick auf andere Disziplinen, immer weiter zu steigern. Hiervon würden schlussendlich mit Sicherheit nämlich beide Seiten auf Ihre Weise profitieren und dem eSport im Allgemeinen zu einer noch höheren Bedeutung innerhalb der Gesellschaft zu verhelfen.  Dabei ist es allerdings keinesfalls hilfreich zu versuchen den eFootball von dem eSport abzugrenzen, so wie es der Deutsche Fußball Bund in der Vergangenheit getan hat.

Denn schließlich handelt es sich bei sämtlichen Disziplinen, in den die Vereine, Organisationen und Clans aktiv sind, um Videospiele und somit, wenn diese Wettkampfmäßig gespielt werden, um eSport!